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Markthalle Bad Kissingen: Aus Bank wird Begegnung – und vielleicht sogar ein Escape Room

Marktplatz 1. Ehemalige Commerzbank. Viel Glas, viel Geschichte – und jetzt: viel Möglichkeit.

Die Stadt Bad Kissingen will aus dem großen Leerstand eine Markthalle machen. Nicht im klassischen „Obst-und-Gemüse-und-dann-war’s-das“-Sinn, sondern als Erlebnisraum: Pop-up-Stores, To-go-Angebot, Büros, Coworking – und unten im Tresorbereich vielleicht ein Escape Room, Silent Rooms oder eine Ausstellung.

Im Treff im Turm habe ich dazu mit Sebastian Bünner, Wirtschaftsförderer der Stadt, gesprochen. Er ist Mitinitiator und vor allem erster Ansprechpartner für Bewerberinnen und Bewerber. Und: Er sagt ziemlich klar, was das Projekt braucht, um zu funktionieren.


Warum ausgerechnet eine Markthalle – und warum jetzt?

Sebastian beschreibt die Markthalle als nächsten Schritt nach einer Reihe von Innenstadt-Impulsen: In den letzten drei Jahren wurden zwölf Ladenlokale gefördert – darunter unter anderem MoonsushiCafé Ilse und Fürst & Feld. Die Logik dahinter: Nicht nur über Leerstand reden, sondern Leerstand bearbeiten.

Marktplatz 1 hatte die Stadt dabei „schon länger im Auge“. Erst gab es Gespräche in der Privatwirtschaft – die Hoffnung: Jemand mietet die Fläche ganz klassisch. Das ist nicht passiert. Also hat die Stadt ihr Konzept vorgestellt – und das Projekt „Markthalle“ intern gestartet.

Klingt nach „Stadt macht Wirtschaft“? Ja. Aber mit einem wichtigen Ziel: Rahmenbedingungen schaffen, damit die Privatwirtschaft überhaupt wieder Lust bekommt, mitten in der City etwas zu testen.


„Dritter Ort“ statt „noch ein Laden“

Der spannende Begriff, der über dem Ganzen schwebt, heißt bei Sebastian: der dritte Ort. Also ein Ort, der nicht nur zum Kaufen da ist, sondern auch zum Verweilen, zum Begegnen, zum Erleben.

Heißt: In der Markthalle soll nicht nur Ware über den Tresen gehen, sondern auch Ideen. Ein Buchclub. Strickkurse. Lesungen. Kleine Formate, die sonst nirgendwo so richtig „reinpassen“. Oder – je nachdem, wie kreativ die Bewerbungen werden – Dinge, auf die man erstmal gar nicht kommt.

Das Motto, das Sebastian dafür benutzt, ist herrlich unbürokratisch:
„Alles kann, nichts muss.“


Was genau kommt rein? Pop-ups, To-go, Tresor-Ideen, Büros

1) Pop-up-Flächen (bis zu 12, aber flexibel)
Es gibt bis zu zwölf Pop-up-Shop-Flächen – aber nicht nach dem Prinzip „eine Idee = ein Mini-Laden“. Wenn jemand ein größeres Konzept hat, können es auch mehrere Flächen sein. Wichtig ist: Es muss in den Gesamtkontext passen.

Und ganz wichtig: Es ist nicht auf Food beschränkt. Wer bei „Markthalle“ nur an Gemüse denkt: Hier darf ausdrücklich auch der „Nicht-Gemüsehändler“ ran.

2) Zentraler Kassenbereich – damit auch Nebenberufler mitspielen können
Ein cleverer Punkt: Es soll eine zentrale Kasse geben. Und dadurch müssen Pop-up-Betreiber nicht jeden Tag selbst im Laden stehen. Laut Sebastian reicht – je nach Öffnungszeiten – oft ein bis zwei Tage Präsenz pro Woche, der Rest wird durch die Betreibergruppe abgedeckt.

Das ist vor allem für Leute spannend, die bereits einen Hauptjob haben (Stichwort Etsy-Shop nebenbei) und jetzt offline testen wollen, ohne sofort das komplette Lebensmodell umzubauen.

3) To-go im ehemaligen Schalterbereich – auch sonntags denkbar
Der frühere „24/7“-Bankbereich (Geldautomat & Co.) soll als To-go-Fläche genutzt werden – nicht rund um die Uhr, aber auch sonntags wäre möglich, je nach Betreiber und Konzept. Innen gilt natürlich Ladenschlussgesetz, aber To-gokann separat funktionieren. Im Sommer mit ein paar Tischen draußen – damit man’s auch sieht.

Wichtig: Keine große Küche. Keine Abluft, kein Fettabscheider, keine Brandschutz-Odyssee. Eher: Coffee-Bike, kleine Snacks, unkompliziertes Angebot.

4) Der Tresorbereich im Untergeschoss: Escape Room? Silent Room? Ausstellung?
Das ist der Teil, bei dem im Gespräch hörbar die Augen größer wurden: Tresorräume, Archivräume, Schließfächer – perfekte Kulisse für Ideen. Escape Room wird als Beispiel genannt, genauso möglich wären Silent Rooms zum konzentrierten Arbeiten (Handyempfang schlecht: ausnahmsweise ein Feature!) oder Ausstellungsflächen.

5) Oben: Büros & Coworking mit Blick
Im Obergeschoss: drei Einzelbüros plus eine große Küche. Hier kann ein Start-up andocken oder eine kleine Firma, die in bester Lage Kundentermine machen will – und unten ist direkt das To-go-Angebot und das bunte Treiben.


Was kostet der Spaß – und wie realistisch ist das?

Sebastian wird erfreulich konkret:

  • Flächen von 7 m² bis 120 m²

  • Start bei 150 € Nettokaltmiete/Monat für 7 m²

  • plus Nebenkosten (grob ab 100 €, abhängig von Fläche/Anteil)

Dazu kommen gemeinsame Kosten für Dinge wie WC-Anlagen, Aufzug (Barrierefreiheit), WLAN, Strom usw. – logisch, so ein Gebäude frisst nicht nur Ideen, sondern auch Betriebskosten.

Außerdem sucht die Stadt 1–2 Betreiber, die als erste Ansprechpartner vor Ort fungieren (Fragen, Orientierung, „wo ist die Toilette?“). Wer das übernimmt, kann laut Sebastian mit nochmals signifikant reduzierter Miete rechnen.

Und jetzt der Teil, den man nicht wegmoderieren sollte:
Damit das Projekt betriebswirtschaftlich Sinn macht, müssen laut Sebastian mindestens ca. 50 % der Flächen vermietet sein. Sonst wird’s nichts – nicht romantisch, aber ehrlich.


Wie wird ausgewählt – und warum ist das fair wichtig?

Die Auswahl soll über ein Gremium laufen. Im Bewerbungsformular kann man Quadratmeterbedarf und Budget angeben.

Ein interessanter Ansatz:
Ein Existenzgründer zahlt nicht zwingend dasselbe wie ein etabliertes Unternehmen, das „mal was ausprobieren“ will. Außerdem: Je mehr Mieter, desto besser verteilt sich das Ganze – und desto eher bleibt es nach der Förderung tragfähig.

Denn das ist die eigentliche Königsdisziplin: Nach der Förderung darf die Miete nicht explodieren, sonst ist nach zwölf Monaten Feierabend.


Und wenn’s nicht klappt?

Auch diese Frage kam – zurecht.

Sebastian sagt sinngemäß: Dann hat man es probiert, etwas gelernt – und schließt als Stadt den Mietvertrag erst, wenn die Auslastung passt. Das Risiko sei überschaubar, kein „Nachtragshaushalt-Drama“.

Und manchmal ist auch das ein Erfolg: Leerstand überbrücken, bis privatwirtschaftlich eine langfristige Lösung kommt.


Was bringt’s den Menschen in der Stadt?

Das Ziel ist klar: mehr Frequenz, mehr Aufenthaltsqualität, mehr Neugier.
Eine Markthalle bündelt verschiedene Zielgruppen – und kann, wenn sie gut kuratiert ist, zum Magnet werden. Nicht als Konkurrenz zur Innenstadt, sondern als Verstärker.

Sebastian bringt es schön auf den Punkt (frei nach seiner Aussage):
Nicht die Läden in Bad Kissingen sind gegeneinander Konkurrenz – die Innenstadt konkurriert mit anderen Städten.
Und dafür braucht es Projekte, die Menschen wieder in die Fußgängerzone ziehen – nicht nur zum schnellen Kaufen, sondern auch zum Bleiben.


Call to Action: Jetzt bewerben – oder später hingehen (beides zählt)

📌 Bewerbungsfrist: 08. April 2026
📌 Geplante Eröffnung: Mitte Mai 2026
📌 Ort: Marktplatz 1, Bad Kissingen

Wenn du ein Konzept hast: Bewirb dich.
Wenn du keins hast: Komm trotzdem hin, sobald es losgeht. Denn am Ende lebt so ein Ort nicht von Quadratmetern – sondern von Menschen, die mit einer Tüte rauslaufen und sagen: „Guck mal, das gibt’s jetzt bei uns.“

Bad Kissingen spricht. Und diesmal sogar ziemlich laut – direkt am Marktplatz.

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